Die Nacht der Meteore

Als wir von dem "Meteorregen" hörten, der in der Nacht vom 18. - 19. November stattfinden sollte, gab es für uns nur einen Ort, von dem aus wir diesem "Natur-Feuerwerk" zusehen wollten: die kleine Insel im Whatshan Lake, zu der wir mit unseren Gästen in diesem Sommer so oft gepaddelt sind. So informierten wir unsere Freunde und treuen Tourbegleiter Bob und Cathy, die zum Glück Zeit hatten und packten alle nötigen Sachen zusammen.

 

Noch rasch ein Foto von uns geknipst, bevor es losgeht. Haben wir auch nichts vergessen? Ein letzter prüfender Blick ins Kanu - es ist alles da, auch der Wecker, den wir mitgenommen haben, damit wir auch pünktlich um 2:00 morgens aus dem Zelt krabbeln. Dann soll der "Meteorregen" am spektakulärsten sein, und das wollen wir natürlich nicht versäumen.

Wir paddeln zur dritten Insel im Whatshan Lake, der größten der drei Inseln. (nun ja, groß kann man auch diese nicht gerade nennen) Das Wetter ist noch angenehm, die bereits schneebedeckten Berggipfel im Hintergrund zeugen vom nahen Winter. Es mag unser letzter Campingtrip in diesem Jahr sein - wir wollen ihn genießen.

Auf der Insel angelangt bauen wir rasch die Zelte auf. Obwohl es erst 3:30 am Nachmittag ist, wird es nun doch rasch dunkel. Nachdem wir unsere "Schlafzimmer" gemütlich eingerichtet haben, sammeln wir eilig Feuerholz. Für einen kalten Abend brauchen wir schon einiges. Aber das ist kein Problem. In der Mitte der Insel gibt es jede Menge umgestürzter Bäume, es sieht aus, als hätten Riesen dort Mikado gespielt. Reisig und Tannenzapfen gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle. Als wir uns ums wärmende Feuer versammeln, ist es auch schon dunkel geworden.

Erst jetzt komme ich dazu, ein Foto zu machen. Ich baue das Stativ auf, stelle den Fotoapparat auf 10-Sekunden-Zeitaufnahme und stürze zum Feuer, wo Dale, Bob und Cathy sich bereits zum Gruppenfoto versammelt haben. Leider öffnet sich die Linse nicht, das Ergebnis seht ihr nebenan. Stellt euch also bitte vor, dass wir alle vier im Hintergrund in die Linse lächeln ...

Später halten wir an Spießen geräucherte Bratwürste ins Feuer, dazu gibt es selbstgebackene Brötchen und Kuchen als Nachtisch. Heißer Tee und Kakao halten uns auch von innen her warm, denn es wird jetzt empfindlich kalt.
Wir bleiben noch ein wenig auf, lauschen dem anklagenden Ruf eines Loons und dem vorwurfsvollen Geschnatter einiger Wildgänse, denen unsere Anwesenheit nicht ganz geheuer ist. Ziemlich früh gehen wir schlafen. Bob und Cathy haben ihr Zelt auf einem dicken Moosteppich aufgebaut, Dale und ich haben unseren Lieblingsplatz auf den Klippen. Wir stellen das Monstrum von Wecker ein Stück entfernt ins Moos, damit sein lautes Ticken uns nicht stört.

Im Zelt wird es bald gemütlich warm. Wir lauschen auf das Glucksen des Wassers und andere nächtliche Geräusche, die bis auf das entfernte Brummen eines Flugzeugmotors alle einen natürlichen Ursprung haben.
Kurz vor 2:00 geht der Wecker los. Sein Rasseln ist auf dem stillen See bestimmt meilenweit zu hören. Die Wildgänse lassen uns wissen, dass sie von derartigen Störungen nicht sehr beeindruckt sind.

Wir schälen uns aus dem Schlafsack und packen uns warm ein. Brrr, ist das kalt! Auch Bob und Cathy kommen aus dem Zelt gekrochen. Der Moosboden unter unseren Füßen knistert vom Frost.

Das Schauspiel hat bereits begonnen. Kreuz und quer schießen die Meteore über den Himmel, einige davon sind ganz schön groß und leuchten unwahrscheinlich hell. Es erinnert mich an Silvester in Deutschland, nur dass das Schauspiel ohne Knallerei abgeht. Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, nachts auf der einsamen Insel zu stehen und zuzusehen, wie die Meteore im Weltall verglühen. Nach einer Stunde kriechen wir wieder zurück ins Zelt. Unsere Nacken sind steif geworden vom In-die-Luft-gucken, und unsere restlichen Körperteile steif von der Kälte.

Sonnenaufgang am Whatshan Lake im NovemberUnser Lieblingsplatz am Rand der Klippen

Am nächsten Morgen ist alles dick mit Frost überzogen. Rasch bringen wir ein Feuer in Gang und kochen Kaffee. Ah, das heiße Getränk tut gut! Dann kommt auch schon die Sonne hinter dem Bergrücken hervorgekrochen und wärmt uns zusätzlich.

ein etwas frostiger Morgen ...Unsere beiden Zelte auf der Insel

Rasch wird es nun warm. Wir sind gerade mit dem Frühstück fertig, als wir das aufgeregte Rufen eines Loons hören. Es klingt, als ist das Tier in Gefahr und braucht Hilfe. So paddeln Dale und Bob eilig los. Angestrengt beobachten Cathy und ich durchs Fernglas die "Rettungsaktion", können aber nicht viel erkennen. Wie sich dann herausstellt, war der Loon vollkommen okay und tauchte beim Näherkommen des Kanus weg. Die beiden Männer lassen sich Zeit beim Zurückpaddeln. Sie halten die Angelrouten ins Wasser, jedoch ohne Erfolg.

ein wundervoller Morgen!

Wir genießen noch ein wenig die Sonne, dann machen wir uns daran, das Zeltlager abzubauen und die Sachen in den Kanus zu verstauen. Es wird Zeit zur Rückkehr, denn nach diesem ungeplanten Trip warten Pflichten auf uns.

Wir paddeln wieder zurück zum Sandy Beach, einem unserer Lieblingsplätze am Whatshan Lake und einem der drei Ausgangspunkte unserer Paddeltouren. Obwohl es bereits fortgeschrittener Vormittag ist, ist hier noch alles weiß vom Frost. Wir kratzen die Autoscheiben frei und fahren nach Hause. Wir sind uns einig: es war eine wundervolle Idee, diese Nacht auf der Insel zu verbringen ...

wir paddeln wieder zurück

Durch dieses Erlebnis wurde ich inspiriert, zum ersten Mal ein Haiku zu schreiben. Da es mir unmöglich war, die "Nacht auf der Insel" in nur drei Zeilen zu beschreiben, habe ich gleich elf Verse daraus gemacht.

Clickt hier, um meine Haiku zur Nacht auf der Insel zu lesen.

 

 

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